Skandale statt Aufschwung
Nach der Jubiläumswoche ging es abwärts

 

Nach dem großartigen Verlauf der Jubiläumssportwoche war doch eigentlich mit einem sportlichen Aufschwung des Vereins zu rechnen. Den Bottropern war so viel an sportlichen Sonderleistungen geboten worden, dass man hiervon einen förderlichen Einfluss auf das Vereinsleben erwarten durfte. Leider blieb diese günstige Nachwirkung aus. Die Bilanz der Jubiläumsveranstaltung, insbesondere des sehr attraktiven Leichtathletik-Meetings, ergab einen riesigen finanziellen Reinfall, den der Verein niemals ausgleichen konnte. Die Vereinsleitung sah sich gezwungen, mit den Vereinsgläubigern einen Vergleich abzuschließen, der im Verhältnis von 10:1 dann auch zustande kam. Sportlich neigte sich die Leistungskurve ebenfalls nach unten. Im Spieljahr 1925/1926 konnte der Abstieg noch eben so vermieden werden, dank eines guten Punkteguthabens aus der ersten Serie.

 

Raimund Zwinz hatte zwar den Weg zum VfB wieder gefunden, aber seine Leistungen waren mit seinem früheren Können nicht mehr zu vergleichen. Im Jahre 1927 war alsdann der Abstieg aus der Gauliga fällig. Das war ein weiterer schwerer Schicksalsschlag für den Verein. Die nach abwärts zeigende Kurve hatte die Mannschaft nach und nach aus dem Tritt gebracht. So kam es, dass der VfB Bottrop auch am Ende der Spielzeit 1927/1928 in der zweiten Klasse am Ende der Tabelle stand und abermals absteigen musste. Es war mittlerweile so geworden, dass es kaum noch möglich war, sonntags eine komplette Mannschaft aufstellen zu können. Der Spielobmann war jedenfalls immer auf der Suche nach Spielern und Ersatz-spielern. Dazu kam auch noch die völlige finanzielle Blutleere.

Im Sommer 1928 war dann der Tiefpunkt in der Geschichte des VfB Bottrop erreicht. Dass damals das Vereinsleben nicht zum völligen Stillstand kam, ist lediglich dem Einsatz einiger mutiger Männer zu verdanken, die sich durch nichts entmutigen ließen. Sie offenbarten ihren großen Idealismus für den Verein. Hier sei vor allem an den Spielobmann Hermann Baumeister gedacht, der die wohl aufopfernste Arbeit für das Weiterbestehen des Vereins aufgebracht hat. Daneben verdienen ganz besonders Leo Beyer als Geschäftsführer und Ignanz Buchard als zweiter Vorsitzender, außerdem die Spieler Ignatz Huda und Bernhard Bothe ehrende Erwähnung. Der erste Lichtblick in dem fast hoffnungslosen Dunkel war die Mitteilung des Verbandes, dass der VfB nicht in die A-Klasse absteigen werde. Es gab - wie so oft - eine Umorganisation der Spielklassen, von der diesmal der VfB profitierte. Das brachte ihm gleichzeitig einen wertvollen Zuwachs an Spielern, vor allem von der DJK Vorwärts 08. Die Meisterschaftsspiele sahen den VfB Bottrop mit dem Spielverein 1911 und Rhenania Bottrop in einer Gruppe.

 

Die Ortstreffen brachten naturgemäß besondere Spannung. Der VfB gewann Hin- und Rückspiel gegen beide Ortsrivalen. Am Schluss der Saison hatte man den dritten Tabellenplatz erklommen. Damit war die Zugehörigkeit zur Kreisliga gesichert. Der Formanstieg war weiterhin stetig. Aus dem eigenen Nachwuchs drängten junge Kräfte wie Josef Felber, Theo Vogel und die Gebrüder Kleine-Breil nach vorn, so dass der VfB mit großen Hoffnungen in die Saison 1929/1930 gehen konnte. Aber in diesen Jahren musste auch der VfB Bottrop erkennen, wie schwierig es ist, die einmal verlorene oberste Spielklasse wieder zu erreichen. Der erste Anlauf misslang jedenfalls ziemlich deutlich.

 

Man ließ sich jedoch nicht entmutigen und traf neue Vorbereitungen für die Spielzeit 1930/1931. Diese brachte unerhört spannende Kämpfe und erst mit Ablauf des letzten Spieltages war die Reihenfolge in der Tabellenspitze klar. Der VfB Bottrop lag mit dem Spielverein Osterfeld 06 punktegleich an der Spitze, nur durch einen Punkt vom Dritten, dem Spielklub Osterfeld getrennt. Die beiden führenden Vereine stiegen somit in die Gauliga auf. Vier Jahre hatte es somit gedauert, bis der VfB den Wiederaufstieg in die oberste westdeutsche Spielklasse erreicht hatte.

Der Bannstrahl des Verbandes
Als der VfB vorläufig nicht aufgestiegen war...

Das erfolgreiche Abschneiden löste in Bottrop naturgemäß größten Jubel und vollste Befriedigung aus. Den für die neue Saison bevorstehenden Kämpfen in der Gauliga sah man mit größter Spannung entgegen, zumal mit Willi Mennekes, der von Rheine zurückgekehrt war, sowie mit Michels und Hannibal, die vom Spielverein 1911 übertraten, neue Kräfte eingesetzt werden konnten. Kurz vor dem Beginn der Meisterschaftsspiele traf den VfB jedoch wie aus heiterem Himmel der Bannstrahl des Verbandes. Der Vorstand des Bezirks Niederrhein erließ nämlich ein Urteil, wonach der VfB mit allen Mannschaften einschließlich der Jugendmannschaften auf die Dauer eines Jahres vom Verband ausgeschlossen wird.

 

Ohne dass der VfB gehört worden war, allein aufgrund der ungeprüften Argumente einer interressierten Seite, erließ der Bezirksvorstand eine solche niederschmetternde Entscheidung. Die Begründung wurde damit gegeben, dass das Spiel VfB Bottrop gegen VfB Lohberg, das turnusgemäß in Lohberg stattfinden sollte, aber auf Antrag von Lohberg mit Genehmigung des Verban-des nach Bottrop verlegt worden war, einen irregulären, vorher vereinbarten, für den VfB Bottrop günstigen Ausgang genommen habe. Hierfür seien unwiderlegliche Beweise vorhanden, hieß es. Man hatte also gar nicht nötig, den VfB zu den Anschuldigungen zu hören.

 

Es würde zu weit führen, all die Machenschaften aufzuzeigen, die inszeniert worden waren, um den VfB den Aufstieg in die Gauliga zu entreißen. Jedenfalls gelang es dem Vorsitzenden Josef Mennekes nicht nur alle Anschuldigungen zu widerlegen, sondern auch die Hintermänner der Aktion aufzudecken. Die Spruchkammer des Westdeutschen Spielverbandes hob darauf hin das Urteil des Bezirksverbandes Niederrhein auf, weil keine Verfehlungen des VfB Bottrop vorlagen.

 

Mit fünfwöchiger Verspätung konnte die Mannschaft alsdann an den Meisterschaftskämpfen teilnehmen. Nach einigen Anfangserfolgen gab es eine Reihe von Rückschlägen. Deren härtester war die 0:9-Niederlage Anfang November 1931 in Ruhrort. Aber unmittelbar nach diesem Debakel setzte ein radikaler Umschwung ein. Michels und Hannibal waren inzwischen spielberechtigt geworden. Das gab der ganzen Mannschaft einen starken Rückhalt und sofort stellten sich Erfolge ein.

Brandfackel des Krieges


Die Jahre 1931 bis 1939 Der Tabellenführer Meiderich wurde mit 2:1 geschlagen, Ruhrort, der Tabellenzweite, erreichte im Rückspiel nur ein 1:1, Union Krefeld verlor in Krefeld 3:2, gegen Hamborn 07 endeten beide Spiele 0:0. Es sind hier nur die Spiele gegen die führenden Mannschaften erwähnt. Am Schluss der Serie hatte der VfB hinter Meiderich und Ruhrort zusammen mit Union Krefeld den dritten Platz inne.

 

Zwischendurch war am 8. Dezember 1931 das erste Gesellschaftsspiel gegen Schalke 04 ausgetragen worden. Vor mehr als 12.000 Zuschauern ging der VfB mit 7:0 in dem Schalker Kreisel und Wirbel unter. Sportlehrer Kreschmann - in den 50er-Jahren Trainer von Borussia Dortmund - übernahm Anfang 1932 die sportliche Betreuung der ersten Mann-schaft. Der glänzende sportliche Ruf, den sich der VfB in den Meister-schaftsspielen erworben hatte, führte dazu, dass fünf Spieler der Mannschaft - nämlich Michels, Schinck, Mennekes, Felber und Ziolkewitz - für die westdeutsche Auswahl gegen Ostholland in Aussicht genommen wurden. Immerhin war die Berufung von Michels und Schinck in die westdeutsche repräsentative Vertre-tung, die in Holland einen verdienten 4:1-Sieg errang, ein schöner sportlicher Prestigeerfolg für den VfB Bottrop und seine Anhänger. Die nächste Spielsaison 1932/1933 schloss war nicht so erfolgreich wie die erste Saison in der Gauliga, brachte aber doch schöne Erfolge, von denen der bemerkenswerteste, der Sieg gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Hamborn 07 in Hamborn war. Noch Jahre später sprachen die 2.000 Bottroper, die damals zu diesem Spiel mitgefahren waren, mit Begeisterung von diesem wirklich hinreißenden Kampf, der in letzter Minute durch einen Bombenschuss des Mittelstürmers Mennekes auf eine Flanke des Rechtsaußen Ziolkewitz zu Gunsten des VfB entschieden wurde.

 

1932 feierte der VfB außerdem einen Sieg in Kaiserslautern. Das Rückspiel verlief ebenso dramatisch und endete 1:1. So kam es, dass der Meister Hamborn 07 in der ganzen Saison nur vier Verlustpunkte einbüßte - drei davon allein gegen den VfB. Das zweite Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 am 8. Dezember 1932 verlief äußerst spannend und ergab diesmal nur einen knappen 3:4-Sieg der Gäste. 1933 brachte nicht nur die schicksalhafte politische Umwälzung, sondern es bescherte uns auch einschneidende Veränderungen auf sportlichem Gebiet. Es wurde wieder einmal eine Neueinteilung vorgenommen, und zwar nach schematischen geographischen Richtlinien. Bottrop wurde dem Gau Westfalen zugeteilt.

 

Der VfB erhielt aber keinen Platz in der westfälischen Gauliga, sondern musste sich mit der Bezirksliga abfinden. Auch in diesem Jahre wurde wiederum am 8. Dezember ein Freundschaftsspiel gegen Schalke 04 ausgetragen. Diesmal gewannen die blauen Knappen mit 4:1. In den nächsten Jahren erreichte der VfB zwar immer wieder den zweiten Platz; es reichte jedoch nie zum ersten Platz, der allein den Aufstieg in die Gauliga bedeutet hätte. Es blieb also wohl oder übel bei der Bezirksliga. Nichtsdestotrotz war der innere Zusammenhalt im Verein selten so gut wie in diesen Jahren. Es kam das Jahr 1939. Der neuen Spielzeit sahen die VfBer nach besten Vorbereitungen mit großer Zuversicht entgegen. Doch die Brandfackel des Krieges und der Donner der Kanonen machten dem sportlichen Treiben den Garaus.