Der VfB auf einem langen Weg
Pläne, Pleiten, Peinlichkeiten und der Neuanfang

 

Mit großen Ambitionen fand sich um den neuen Vorsitzenden Dr. Joachim Maiwald im April 1996 eine gut besetzte Vorstandstruppe zusammen, die den VfB zurück zu altem Glanz führen wollte. Mit Jürgen Herberhold wurde nicht nur ein neuer Trainer verpflichtet, auch der 22 Mann starke VfB-Kader erhielt ein neues Gesicht. Traditionstrikots, schwarz-weiß gestreift, und ehrgeizige Pläne "Wir kehren in drei Jahren in die Oberliga zurück" gaben hohe Erwar-tungen an die Mannschaft vor. Doch die wollte nicht so, wie das Wunschdenken von Vorstand und Trainer vorgegeben hatten. Kleine Zwistigkeiten und Unstimmigkeiten im Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft bescherten dem VfB nach der Saison 1996/97 einen ersten Scherbenhaufen.

Bereits im Saisonverlauf musste Trainer Herberhold seinen Hut nehmen, doch viel weiter kam man mit dem Wechsel nicht. Auch sein Nachfolger Klaus Kokott blieb glücklos. Im Sommer 1997 drehte sich das Wechselkarussel dramatisch, viele gestandene VfBer verabschiedeten sich ins Bottroper Umfeld. Auch der mit so ehrgeizigen Plänen gestartete Vorsitzende warf das Handtuch und wurde von seinem Stellvertreter Robert Siwczyk beerbt.

Die Mannschaft der Saison 96/97
Die Mannschaft der Saison 96/97

Der aber überlebte die darauffolgende Saison ebenso wenig wie Trainer Kokott. In der Winterpause musste der glücklose Coach als schwächstes Glied in einer durchwachsenen Kette gehen, bei der nächsten Vorstandswahl machte auch Siwczyk das Feld frei, nachdem er dem VfB mit Trainer Klaus Scholz noch eine schwere Bürde für die Zukunft überlassen hatte. Der holte in der Rückrunde 97/98 weit weniger Punkte als sein Vorgänger und rutschte von Platzd drei ins Niemandsland der Liga ab, versprach aber mit einem Neuaufbau und einer Verjüngungskur Besserung. Die Saison 98/99 aber eröffnete nicht er, der nicht bereit war, dass finanziell abgesteckte Konzept des neuen Vorstands um Rückkehrer Hans Raape mitzutragen, sondern der Ex-Profi Christian Herrmann.

 

Herrmann war auf Empfehlung von Benedikt Mies, der als ehemaliger Vorsitzender in der hinteren Reihe des neuen Vorstands fungierte, aus Gelsenkirchen nach Bottrop gekommen. Dem durch viele Bundesliga-Jahre gestählten Profi traute man am ehesten zu, die von seinem Vorgänger zusammengesetzte Mannschaft zu formen. Und endlich schien sich die ehrenamtliche Arbeit zu lohnen. Bis zur Winterpause gehörte der VfB zu den stärksten Teams der Liga und hielt Kontakt zu den Aufstiegsplätzen. Mit Beginn des Jahres 1999 aber war das mit großen Hoffnungen verbundene Modell VfB/Herrmann schon wieder am Ende. Ein bemühter Trainer, eine Mannschaft aus Spielern, die "wissen, was der Trainer will", denen, "die nicht bereit sind, das umzusetzen, was der Trainer will" und denen, "die gar nichts verstehen", führten dazu, dass der VfB in den Sturzflug durch die Liga ging.

Wenige Spieltage vor Saisonende kippte das Meinungsbild im Vorstand, der erst an Herrmann festhalten wollte. Vorstandsmitglied Walter Bork, bis dahin Trainer der VfB-Reserve, übernahm und stieg ab. Am letzten Spieltag fehlten den Schwarz-Weißen beim SC Bocholt 26 fehlten genau fünf Minuten zum Klassenerhalt. Bis dahin hatte der VfB 1:0 geführt. Der Ausgleich der Gastgeber besiegelte den Abstieg, da Mitkonkurrent Anadolu Krefeld etwas überraschend beim Weseler SV nach einem Pausenrückstand mit 5:3 gewinnen konnte. Der VfB war an diesem Tag wieder da, wo er nie wieder hinwollte. In der Bezirksliga.

Die letzte Saison ist allen noch in guter Erinnerung. Der Vorstand hatte alles erdenklich Mögliche getan und einen schlagkräftigen Bezirksliga-Kader zusammengestellt, der den VfB zumindest in die Landesliga zurückbringen sollte. Der Vorsitzende Hans Raape hatte sich für Walter Bork als Trainer entschieden. Trotz einer beachtlichen Bilanz von 23 Siegen, 3 Unentschieden und 4 Niederlagen blieb dem VfB der Aufstieg versagt.

Ein übermächtiger Gegner, die hoch gerüstete Zweitvertretung des Oberligisten SV Adler Osterfeld, setzte sich ohne eine einzige Saisonniederlage eindrucksvoll durch. Dem Traditionsverein VfB Bottrop blieb im Jahr seines 100-jährigen Vereinsbestehens nur das Nachsehen. Als Schlüsselspiel sahen nicht nur Vorstand, sondern auch Anhänger das Hinspiel des VfB im Jahnstadion gegen die Adler-Reserve an. Dort nämlich wirbelte der VfB eine Halbzeit lang und führte verdient mit 3:0, ehe die Gäste die stürmenden Mannen um Spielführer Baschista bis auf 3:4 auskonterten.