Aus Amateuren wurden wieder Vertragsfußballer

 

Die Saison 1950/1951 war spielerisch interessant und spannend. Der VfB lag am Schluss mit einem Punkt vor Duisburg 48/99 an der Spitze. Da sich die Spiele der Gruppe B bis Mitte Juni hingezogen hatten, kam die Entscheidung um die Niederrheinmeisterschaft nicht mehr zu Stande. Der Meister der Gruppe A, SC Cronenberg, nahm als Niederrheinvertreter an den Deutschen Amateurmeisterschaften teil und wurde auch Deutscher Meister.

Im Februar 1951 wurde Josef Mennekes nach dem Rücktritt von Otto Kallweit wieder zum Vereinsvorsitzenden gewählt.

Das gute Abschneiden in der Amateurliga gab dem VfB-Vorstand Mut, erneut um die Erteilung der Vertragsspieler-Lizenz nachzusuchen. Die Generalversammlung stimmte diesem Vorschlag zu und zwar ohne jeglichen Widerspruch. Nach langwierigen Verhandlungen entschloss sich der Westdeutsche Fußballverband zu einer erneuten Lizenzerteilung.

Als neue Vertragsspieler kamen Füten und Kraus von Elmar Alstaden, Moczalla vom SV 1911 Bottrop und Reinhold Grunert von Tura 86 Essen zum VfB. Walter Reimann aber ging zum STV Horst Emscher und Kurt Röttger kehrte zu Rot-Weiß Essen zurück. Die beiden letzteren hatten in den vergangenen Jahren häufig mit bestem Erfolg in der Amateur-Auswahlmannschaft Niederrhein mitgewirkt. Reimann gehörte auch zu der Mannschaft, die in Berlin das Endspiel um den Amateur-Landerpokal für den Niederrhein mit 5:1 gewann.

Neben den anderen Spielern der ersten Mannschaft stand mit Guziki, Kolkenbrock und Szumny ein guter Nachwuchs aus der eigenen Jugend zur Verfügung. Als Trainer wurde Hermann Becker aus Düsseldorf verpflichtet.

In der Saison 1951/1952 behauptete sich der VfB glänzend. Zwar gab es auch Rückschläge, aber das ständig steigende Konto an Pluspunkten versetzte die Bottroper in Begeisterung. Die Spitzenspiele gegen Sodingen und insbesondere gegen Rot-Weiß Oberhausen brachten Rekordbesucherzahlen.

Kurz nach Beginn der Meisterschaftsspiele musste der VfB wegen des Umbaus des Jahnstadions zur Austragung seiner Heimspiele zum Sportplatz an der Paßstraße überwechseln. Dieser Platz mit seiner Aschenbelagdecke hatte es in sich. Die erste Mannschaft jedenfalls schien dort unüberwindlich zu sein.

Vor dem letzten Meisterschaftsspiel stand Sodingen als Gruppenmeister und Aufsteiger fest. Der VfB und Rot-Weiß Oberhausen teilten sich punktgleich den zweiten Platz. Beide mussten das entscheidende Spiel auswärts austragen, der VfB in Bielefeld und Rot-Weiß Oberhausen in Sodingen. Die Bottroper gewannen beim VfB Bielefeld souverän mit 4:0 und Oberhausen konnte mit einem 4:4 nur einen Punkt aus Sodingen entführen.

Damit war die Entscheidung zu Gunsten des VfB gefallen, der nun mit dem Zweiten der anderen Gruppe der zweiten Liga, dem TSV Vohwinkel, sowie dem Dritt- und Viertletzten der Oberliga, STV Horst-Emscher und SpVgg Erkenschwick um die beiden vakanten Plätze in der Oberliga in einer Qualifikationsrunde antreten muss.

Der STV Horst-Emscher behauptete sich eindeutig. Nur in Bottrop gab er einen Punkt ab (Guziki schoss einen Elfmeter an die Latte). Die Spannung um die Besetzung des zweiten Platzes erreichte ihren Höhepunkt in dem Spiel zwischen dem VfB und Erkenschwick am 16. Juni 1952 auf dem Sportplatz an der Paßstraße. 18.000 Zuschauer waren anwesend. Nach 20 Minuten lag der VfB durch ein Tor von Füten in Führung. Was konnte jetzt noch passieren! Schließlich hatte man an der Paßstraße noch kein Spiel verloren. Doch es kam anders: Zwei Abwehrfehler des in der ganzen Spielzeit so hervorragenden Torwarts Grunert brachten die Erkenschwicker mit 2:1 in Führung. Und es blieb dabei! Lange noch blieb dieses Spiel im Gespräch. Man konnte es nicht fassen, dass der Heimnimbus des Sportplatzes an der Paßstraße gerade in diesem entscheidenden Kampf platzte.

Die Mannschaft der Aufstiegsrunde:


    Grunert    
Riediger Schwalemeier
Kraus Moczalla Smoka
Kolkenbrock Nikolaiczyk Füten Höfer Guziki


Der Spielbetrieb ging dennoch natürlich weiter. Als Trainer wurde Gustav Mohn aus Duisburg verpflichtet. Neue Spieler traten dem VfB bei: Heinz Hinz von Rot-Weiß Essen, Werner Möckel vom TSV Horst Emscher, Walter Tannemann vom Meidericher SV und Günter "Pascha" Mikolajczak von Vorwärts 08. Torwart Grunert ging zum VfL Osnabrück.

Die Saison 1952/1953 verlief aber keineswegs im erwarteten Sinne. Füten und Moczalla, die ein Jahr zuvor zusammen mit Bagh die herausragenden Spielerpersönlichkeiten in der Mannschaft waren, fielen infolge Verletzungen ganz aus. Ehe die Meisterschaftsspiele zu Ende waren, lag der ambitionierte VfB abgeschlagen an fünfter Stelle.

Ein Achtungserfolg war der Mannschaft noch in der Pokalrunde beschieden, als sie nach Siegen über Wattenscheid und Hamborn 07 mit Rot-Weiß Essen, dem 1. FC Köln und Fortuna Düsseldorf unter die letzten vier des Westdeutschen Fußballverbandes kam. Durch eine 0:5-Niederlage in Bergeborbeck gegen Rot-Weiß Essen schied sie dann aber aus diesem Wettbewerb aus.

Das nächste Jahr 1953/1954 brachte keine erwähnenswerten spielerischen Höhepunkte . Die finanzielle Lage war alles andere als rosig. Erfreulich war, dass im Spätsommer 1953 das prächtig ausgebaute Jahnstadion wieder zur Benutzung freigegeben wurde.

Zu einem der beiden vorderen Tabellenplätze am Schluss der Spielzeit langte es in diesem Jahre wieder nicht. Nach dem Rücktritt von Josef Mennekes wurde Walter Brandt zum ersten Vereinsvorsitzenden gewählt. Als Trainer wurde Willi Multhaup für den VfB gewonnen.

Die Ära Multhaup
Wie aus dem "ewigen Zweiten" der "ewige Dritte" wurde

Walter Reimann kehrte von Horst Emscher zurück. Heinrich Heyne war schon vor einiger Zeit zum VfB gestoßen. Ansonsten hatte man in den letzten Jahren mit der Verpflichtung neuer Spieler keine glückliche Hand gehabt. In diesem Jahre 1954 kam auch Heinz Stemmer von den Sportfreunden Katernberg im Gefolge Multhaups zum VfB. Stemmer war zwar schon ein älterer Spieler, hatte aber einen großartigen Torinstinkt und war Spezialist in Strafstößen.

Der VfB kam gut ins Rennen und steigerte sich in der zweiten Serie derart, dass der Aufstieg in die Oberliga vor dem letzten Spiel sozusagen vor den Füßen der Mannschaft lag. Nur das noch fällige Spiel beim Rheydter Spielverein musste gewonnen werden. Rheydt hatte einen schlechten Tabellenstand, so dass alle Voraussetzungen für einen Erfolg gegeben zu sein schienen. Aber es schien nur so. Die Bottroper konnten sich in einem sehr harten Spiel nicht durchsetzen und verloren mit 1:2 Toren. Die Girlanden, mit denen das Vereinsheim im heimischen Bottrop bereits geschmückt worden war, mussten wieder abgehängt werden. Die Enttäuschung war groß.

Ein neuer Anlauf kam im folgenden Jahr. Am Schluss der ersten Serie 1955/1956 lag der VfB als Herbstmeister mit vier Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. In der zweiten Serie konnte man diesen Vorsprung jedoch nicht halten. Nach der Niederlage gegen Meiderich in Bottrop schien Bottrop den sicher geglaubten Aufstieg doch noch zu verschenken. Doch auch Meiderich gab Punkte ab und so lag der VfB vor dem letzten Spieltag auf dem zweiten Platz. Nur noch das Spiel gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten VfB Bielefeld musste gewonnen werden. Doch auch hier versagten den Bottropern - wie ein Jahr zuvor - die Nerven. Das Spiel wurde mit 0:2 verloren, der Meidericher SV zog mit dem VfB punktegleich und stieg auf Grund des besseren Torverhältnisses in die Oberliga auf.

Noch lange Zeit grollten die Vereinsanhänger mit den Spielern, die sich in Bielefeld so unkonzentriert und lasch gezeigt hatten. Aber die Schwarz-Weissen ließen sich nicht unterkriegen und bekamen im Juni 1956 mit dem Bottroper Oberbürgermeister Ernst Wilczok einen neuen Vereinsvorsitzenden. Die Schlussbilanz der folgenden Saison ergab wieder den dritten Tabellenplatz, ohne dass es aber ein so dramatisches Finale gab, wie in den Vorjahren. Damit ging die Ära Multhaup in Bottrop zu Ende. Drei Jahre, drei Mal Dritter! Aus dem "ewigen Zweiten" war der "ewige Dritte" geworden. Als neuer Trainer übernahm Franz Linken aus Düsseldorf die sportliche Betreung der Vertragsmannschaft.

Es ging wieder abwärts
Ein Jahrzehnt der Enttäuschungen geht zu Ende

Im Jahre 1958 landete der VfB auf dem 5. Tabellenplatz. Obwohl Klaus Matischak Torschützenkönig der 2. Liga wurde, konnte nicht mehr erreicht werden. Zu viele Spiele wurden im Laufe der Saison zu leichtfertig abgegeben. Die in den vorhergehenden Jahren gescheiterten Anstrengungen und zerstörten Hoffnungen schienen doch am Mark der Spieler gezehrt zu haben.

Noch einmal flammte der VfB-Geist in den Pokalspielen auf. Nach Erfolgen über Ickern, Sterkrade, Hochheide und Dahlhausen war die Mannschaft wieder unter den letzten Vieren. Gegen den 1.FC Köln verlor sie knapp mit 2:3. Die beiden Folgejahre 1958/59 und 1959/60 brachten dem VfB jeweils den sechsten Tabellenplatz ein - nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Nur wenige Spiele konnten in dieser Zeit die Zuschauer begeistern. So sahen nur noch durchschnittlich 2.000 Zuschauer die VfB-Spiele. Vier Jahre zuvor waren es noch stolze 7.000 gewesen. Dass das auch erhebliche finanzielle Einbußen zur Folge hatte, dürfte jedem klar sein. Dem ältesten Bottroper Fußballverein, dem VfB stand eine schwere Zeit bevor.